Hardware contra Software

versus

Bei der täglichen Arbeit mit einem E-Meter sammelt der Praktiker Erfahrungen. Nach einer gewissen Zeit der Anwendung weiß er, was seine Arbeit unterstützt, was noch verbessert werden könnte und was überflüssig oder sogar störend ist. Denn nicht alles, was von den Herstellern solcher Geräte angepriesen wird, erweist sich später als sinnvoll oder mit den Grundsätzen von Standardauditing vereinbar.

Der Anwender hat heute grundlegend die Wahl zwischen Hardware- und Software. Das Hardware-Meter ist die bewährte Variante zum Anfassen mit einer wirklichen Nadel. Dagegen ist das Software-Meter ein virtuelles E-Meter, das zu seinem Betrieb einen Computer benötigt. Die Nadel wird hier als beweglicher Zeiger auf dem Monitor oder dem TFT- bzw. LC-Display dargestellt.

Um es vorwegzunehmen, der Verfasser hat bisher kein  Software-Meter finden können, das eine auch nur annähernd befriedigende  Darstellung seiner sich schnell bewegenden “Nadel” anbieten konnte. Beim heutigen Stand der Technik muss offenbar in Kauf genommen werden, dass schnellere Drehbewegungen einer Zeigerdarstellung auf dem Computerbildschirm mit Flimmern und/oder ungewollten Mehrfachabbildungen einhergehen. Je langsamer die Grafik- karte, desto schlimmer ist dieser Effekt.

Ein weiterer erheblicher Nachteil ist der Umstand, dass die Ventilatoren und Festplatten von Computern Geräusche produzieren. Geräusche, die in einer Sitzung prinzipiell nichts zu suchen haben, denn sie lenken den Preclear* von seinem Fall ab. Das gilt auch für Solo*- Sitzungen.

Wer eine andere Person auditiert, sollte seinen Preclear und das E-Meter möglichst immer gleichzeitig im Auge haben. Deswegen werden herkömmliche E-Meter auf der Sichtlinie vom Auditor zum Preclear aufgestellt. Ein geschulter Auditor übersieht dadurch eine Anzeige am E-Meter auch dann nicht, wenn er zum Preclear hin und nicht auf die Skala schaut. Wenn man dieses Prinzip auf einen Laptop übertragen wollte, müsste dessen Bildschirm genau zwischen Auditor und Preclear aufgestellt werden. Das hochgeklappte Display wäre dann wie eine Kommunikations- und Affinitätsbarriere. Die monströsen Ausmaße eines herkömmlichen Monitors wären gar völlig indiskutabel. Wenn ein Software-Meter also nicht ausschließlich für Solo-Auditing verwendet wird, wäre das ein weiterer wichtiger Grund, warum man es mit einem dicken Fragezeichen versehen müsste.

Wie wir wissen, fällt hin und wieder der Strom aus. Gelegentlich stürzt auch ein Computer mitten im Betrieb aus unerfindlichen Gründen ab. Beides völlig inakzeptabel, wenn es in einer Sitzung passieren sollte. Bei einem Laptop wäre die Länge der Sitzung vom aktuellen Ladezustand bzw. der Speicherkapazität des Akkus abhängig. Ein Risikofaktor, weil man eine Sitzung, bei der immer auch Schwierigkeiten auftreten mögen, möglicherweise nicht ordentlich zu Ende bringen könnte. Dies alles ist von einem verantwortungsbewussten Auditor nicht gutzuheißen.

Wegen der Summe der zuvor aufgezählten Unwägbarkeiten und der sich daraus ableitenden Risiken für eine Sitzung darf bezweifelt werden, ob Software-Meter jemals die Zustimmung von Hubbard erhalten hätten. Der Verfasser hat mehrere Versionen des “C-Meters” sowie den “Mindwalker 3” getestet, konnte aber trotz seiner Affinität zu Computern keinen sonderlichen Gefallen daran finden. Insbesondere bei einer schwebenden Nadel* geht nichts über ein herkömmliches E-Meter. Schließlich wird diese Anzeige als gleichmäßiges Fließen und nicht als aufgeregtes Flimmern definiert.

Ein Software-Meter hat aber auch Vorzüge. Man braucht nur ein Minimum an Hardware, um den Widerstand zwischen den Dosen des Preclears zu messen. Der Wert wird sofort in ein Digitalsignal umgewandelt und kann dann beliebig weiterverarbeitet werden. Es entfallen die Nachteile analoger Technik wie zahlreiche Einstellregler sowie kennlinien-, temperatur- und fertigungsbedingte Nichtlinearitäten seiner Bauteile. Es ist allerdings darauf zu achten, dass die Konvertierungszeit des
AD-Wandlers* im Mikrosekundenbereich bleibt. Andernfalls könnte man keine wirklichen Sofortanzeigen* sehen.    

Die Methode, den Dosenwiderstand frühzeitig in ein Digitalsignal zu verwandeln, lässt sich übrigens auch bei einem Hardware-Meter anwenden. Nachdem das Signal wunschgemäß aufbereitet  wurde, wird es in ein Analogsignal zurückverwandelt und steuert dann die Bewegung der Nadel.

Bei einem Software-Meter lassen sich auf einfache Weise Tonarm und Empfindlichkeit automatisch anpassen. Das gesamte Nadelverhalten einer Sitzung einschließlich der gesprochenen Worte kann man damit simultan im Computer aufzeichnen. Ganz nebenbei lässt sich so auf dem Bildschirm ständig auch eine so genannte History des Nadelverhaltens der letzten zehn oder mehr Sitzungssekunden als grafische Kurve darstellen. Zur Einschätzung der Größe der Anzeige ist dies sehr hilfreich. Für Lehr- oder Korrekturzwecke ist eine Sitzung durch den gespeicherten Ablauf jederzeit reproduzierbar. Statt z.B. eine Videoaufzeichnung anfertigen und wieder abspielen zu müssen, sieht man die Anzeigen des E-Meters erneut im Original.

Der Vorteil einer “Softwarenadel” besteht außerdem in ihrer Größe. Kein Hardware-E-Meter kann eine Nadel in der Ausdehnung bieten, wie sie auf einem 19-Zoll-Display zu sehen ist. Mittels Software lässt sich auch eine virtuelle 360°-Endlosskala realisieren. Dadurch entfallen Schwierigkeiten, die im Zusammenhang mit der Set-Rückstellung der Nadel auftreten können. Eine solche Skala ist jedoch gewöhnungsbedürftig, weil eine gerade nach unten zeigende Nadel bei einem Fall* nach links ausschlägt. Um das zu vermeiden, wird die Endlosfunktion von einem der Hersteller bei einer 180°-Skala mit mehreren Nadeln erreicht, die sich synchron bewegen. Ihre Anzahl lässt sich frei wählen.

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Im Gegensatz dazu produziert das Hardware-Meter keine Geräusche, es kann problemlos zwischen Auditor und Preclear platziert werden, es stürzt während des Betriebs nicht ab, und seine Nadel flimmert nicht. Mit einem guten Hardware-Meter kann man, (ohne die Batterien zu wechseln), mehrere hundert Stunden auditieren. Wenn es sein muss, auch auf einer einsamen Berghütte oder am Südseestrand, weitab jeder Netzsteckdose.   

Ein modernes Hardware-Meter sollte folgende Eigenschaften besitzen:

  • ein ausreichend großes Nadelwerk mit einer Skala von mindestens 12 Zentimetern Breite
  • eine sehr schnelle Nadelanzeige ohne Nachschwingen
  • eine automatische Anpassung des Tonarms*
  • eine automatische Rückstellung der Nadel auf Set nach jedem Read*, ohne dafür etwas tun zu müssen
  • eine digitale Tonarmpositionsanzeige* mit einer Genauigkeit von zwei Stellen nach dem Komma
  • eine Umschaltmöglichkeit der Tonarmpositionsanzeige auf die Bedingungen im Solo-Auditing*
  • eine vierstellige digitale Zählung der Tonarmaktion*, die auch Hundertstel aufsummiert. .
  • eine leicht erreichbare und geräuschlose Taste zur Vermeidung der Tonarmzählung bei Körperbewegungen* des Preclears
  • geringer Stromverbrauch, der pro Batteriesatz mehrere hundert Stunden Betrieb ermöglicht.

Das vk1* ist ein E-Meter, das alle diese Bedingungen erfüllt.



Nachtrag:
Der vorstehende Beitrag wurde 2010 geschrieben. Inzwischen ist die technische Entwicklung vorangeschritten. Tablets erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Sie zeichnen sich durch ein angenehmes Format und dank ihres Flashspeichers auch durch absolute Geräuschlosigkeit aus. Damit sind sie prinzipiell für eine Softwarelösung besser geeignet. Die oben beschriebenen Probleme mit der Darstellung eines sich bewegenden Zeigers sind jedoch unverändert zu beobachten. Unter “Android” werden Apps mit einer Zeigerdarstellung angeboten, bei denen zum Beispiel  die Datenrate, der aktuelle Schallpegel oder die Helligkeit gemessen und angezeigt werden. Der Verfasser hat einige getestet und festgestellt, dass bei keiner dieser Apps die Bewegung des Zeigers wirklich fließend, sondern stets mehr oder minder ruckartig erfolgt. In erster Linie dürfte dafür die Graphikeinheit des Tablets ursächlich sein. Unabhängig davon ist derzeit keine App bekannt, die eine Funktion zur Verfügung stellt, mit der man über die USB-Schnittstelle und eine externe Hardware ein E-Meter emulieren könnte.

Eine solche externe Hardware benötigt einen Analog-Digital-Wandler*, der den Widerstand des Körpers in ein Datenwort transformiert. Er muss eine hohe Auflösung besitzen und hinreichend schnell sein, denn er soll ja wirkliche Sofortanzeigen* produzieren. Dazu hat er einen erhöhten Energiebedarf, der in aller Regel eine Netzversorgung bedeutet.