Demokratiefeindlichkeit 

gilt als eines von diversen negativen Merkmalen der
Scientology*-Organisation. Bei einer genaueren Beobachtung findet man konkrete Anhaltspunkte dafür, dass ihre Strukturen und Ziele sich nicht wie behauptet im Einklang mit unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung befinden. Und zwar nicht nur hinsichtlich ihrer Einstellung zur Demokratie, sondern auch mit Blick auf die Grundrechte nach den Artikeln 1 bis 19 unseres Grundgesetzes. Die meisten von ihnen wären mutmaßlich gefährdet, wenn man die bisher bereits beobachteten Verhältnisse in dieser Organisation zugrunde legt und unterstellt, dass sie irgendwann die politische Macht übernähme. Und zwar:

Artikel 1: Unantastbarkeit der Menschenwürde
Artikel 2: Freie Entfaltung der Persönlichkeit
Artikel 5: Meinungs- und Informationsfreiheit
Artikel 6: Ehe und Kindererziehung
Artikel 7: Schulwesen
Artikel 10: Briefgeheimnis
Artikel 11: Freizügigkeit
Artikel 12: Freiheit der Berufswahl
Artikel 13: Unverletzlichkeit der Wohnung
Artikel 14: Schutz des Eigentums

Für bereits stattgefundene Verstöße gegen jedes einzelne dieser Grundrechte gibt es Bekundungen von Aussteigern, die sie am eigenen Leib verspürt oder selbst beobachtet haben. Es sind Rechte, die überall dort auf der Welt verletzt werden, wo Diktatoren an der Macht sind und wo, (wie in dieser Organisation), gegen die Verfassungsgrundsätze des Artikel 20 GG, (
Demokratie*, Rechtsstaat*, Gewaltenteilung*), verstoßen wird. Die im Grundgesetz kodifizierten Rechte stellen zwar prinzipiell nur Abwehrrechte gegenüber dem Staat dar und sind daher bei Konflikten der Bürger untereinander lediglich in Ausnahmefällen einklagbar, dennoch lässt der Umgang mit ihnen natürlich Rückschlüsse auf die Einstellungen und Absichten einer Einzelperson oder einer Gruppe zu. Überall dort, wo eine Geringschätzung der Grundrechte beobachtet werden kann oder wo auf ihre Beseitigung hingearbeitet wird, sollte man alarmiert sein.     

Die demokratiefeindliche Einstellung des Scientology-Gründers ist durch
Hubbard*-Schriften sowie durch Aufzeichnungen seiner Vorträge belegt. Die Organisation hält dagegen, dass es sich dabei um “Altlasten” handele, die den Mitgliedern so nicht mehr vermittelt würden. Mit solchen Äußerungen entstellt sie bewusst die Realität, was bezeichnend für ihren Umgang mit Wahrheit ist. Nach der Hubbard-Referenz HCOPL 17.6.70RB gilt es organisationsintern nämlich als “Schwerverbrechen”, einzelne Hubbard-Daten als “alt” oder nicht mehr zeitgemäß zu bezeichnen. Tatsächlich ist es so, dass jeder, der in dieser Organisation einen Kurs belegt, zunächst eine bestimmte Hubbard-Schrift studieren muss, die dessen antidemokratische Einstellung unmissverständlich transportiert. Es handelt sich dabei um die KSW-Serie 1, (HCOPL 7.2.65). Mit ihr beginnt auf der organisationseigenen Akademie jeder einzelne Kurs. Wer also zum Beispiel im Laufe der Zeit zwanzig Kurse gemacht hat, hat die Schrift auch zwanzigmal verinnerlicht. Darin sagt Hubbard unter anderem:

Dieser Punkt wird natürlich als “unpopulär”, “selbstgefällig” und “undemokratisch” angegriffen werden. Das mag durchaus stimmen. Aber es ist auch eine Überlebensfrage. Und ich sehe nicht, dass populäre Maßnahmen, Selbstverleugnung und Demokratie dem Menschen irgendetwas gebracht haben, außer ihn weiter in den Schlamm zu stoßen. Heutzutage erfreuen sich Schundromane allgemeiner Beliebtheit. Selbstverleugnung hat die Dschungel Südostasiens mit steinernen Götzen und Leichen angefüllt, und die Demokratie hat uns Inflation und die Einkommensteuer gebracht.“

Hier der Originalwortlaut in Englisch:
”This point will, of course, be attacked as "unpopular", "egotistical" and "undemocratic". It very well may be. But it is also a survival point. And I don't see that popular measures, self-abnegation and democracy have done anything for Man but push him further into the mud. Currently, popularity endorses degraded novels, self-abnegation has filled the South East Asian jungles with stone idols and corpses, and democracy has given us inflation and income tax.”

Auch wenn sich das zunächst nur wie eine Meinungsäußerung anhört, sind solche Formulierungen in ihrer Wirkung auf den scientologischen Leser verheerend. Bei seinen Anhängern gilt jedes Wort Hubbards als eine  Offenbarung. Die Gruppensuggestion ist so ausgeprägt, dass nur noch das als Wahrheit angesehen wird, was von Hubbard irgendwann einmal geäußert wurde. Wer eine bestimmte Meinung vertritt und dafür kein Hubbard-Zitat benennen kann, gilt als ungebildeter Spinner und wird im Wiederholungsfall argwöhnisch als potentieller Abweichler unter Beobachtung gestellt.

Hubbards Anhänger sind zutiefst davon überzeugt, dass jener immer nur das Beste für die Menschheit wollte und dass seine eigene geistige Gesundheit rückblickend über jeden Zweifel erhaben ist. Diese verklärende Faszination ist nur zum Teil das Ergebnis des stattfindenden Personenkults. Sie rührt auch daher, dass viele, die selbst Erfahrungen mit seinem Auditing gemacht haben, ihn für ein überragendes Genie halten, das aufgrund seines abgehobenen Bewusstseins die Mechanismen des Lebens viel besser durchschauen und die angemessenen Schlüsse daraus ziehen konnte. Wenn er die Demokratie als schlecht bezeichnete, dann besteht für Scientologen an der Richtigkeit dieser Aussage kein Zweifel. Solchen suggestiven Einflüssen sollte sich eine wehrhafte Demokratie rechtzeitig entgegenstellen, bevor sie durch sie eliminiert wird.         

Hubbards ablehnende Haltung gegenüber der Demokratie war nach eigenem Bekunden u.a. die Folge seiner Beschäftigung mit dem menschlichen Verstand. Er vertrat die Auffassung, dass die große Masse der Bevölkerung zu aberriert* wäre, um vernünftige Entscheidungen treffen zu können. Dabei operierte er mit dem Begriff der Bankübereinstimmung*. Bei genauerem Hinschauen kommt man jedoch zu dem Eindruck, dass er ganz persönliche Gründe hatte, die staatliche Ordnung, unter der er aufgewachsen war, nicht zu mögen. Er verabscheute Bevormundung jeglicher Art und duldete keine Autoritäten neben oder über sich. Es gibt in seinen auf Tonträger archivierten Vorträgen zahlreiche abfällige und häufig auch zynische Äußerungen über jede Art staatlicher Autorität. Seine Argumente wirken in diesem Kontext nur stellvertretend und scheinen konstruiert. Er verurteilte die Demokratie zum Beispiel, weil sie seiner Meinung nach die Fleißigen durch das Erheben von Steuern bestraft, die Nichtstuer jedoch mit Sozialleistungen belohnt. Angeblich war das der Grund, weshalb er keine Steuern zahlte und in Kauf nahm, deswegen immer wieder in Schwierigkeiten zu geraten. Dem Betrachter drängt sich jedoch der Eindruck auf, dass die zeitliche Abfolge anders war. Es liegt nahe, dass er zuerst keine Steuern abführte und dann dafür nach Rechtfertigungen suchte. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurde dieses Verhalten bei ihm durch ein Service-Faksimile* verursacht.

Zu Hubbards Zeit war die Welt prinzipiell in zwei Lager aufgeteilt. Die westlichen Demokratien unter Führung der USA und der kommunistische Block mit der Sowjetunion an seiner Spitze. Da auch der Kommunismus von Hubbard strikt abgelehnt wurde, stellt sich für den Beobachter zwangsläufig die Frage, welchen dritten Weg er propagierte. Hubbard machte keinen Hehl daraus, dass straffe Disziplin und notfalls drakonische Strafen die Ordnung in einem heruntergekommenen Gesellschaftssystem wieder herstellen müssten. Wie das aussehen könnte, demonstrierte er mit seiner eigenen Organisation, in der zeitweilig Zustände der Sklaverei herrschten. Besonders in den frühen Jahren, als Hubbard zusammen mit seinen Gefolgsleuten auf einem Schiff namens “Apollo” die Meere befuhr und sich auf diese Weise jeder staatlichen Kontrolle entzog, waren die ihm unterstellten Menschen häufig üblen Willkürmaßnahmen ausgesetzt. Seine Organisation war (und ist bis heute) zutiefst undemokratisch strukturiert und nur auf eine zentrale Führerfigur ausgerichtet. Dieser Führer bestimmt die Regeln und zugleich die Strafen, wenn die Regeln nicht befolgt werden. Zur weltweiten Durchsetzung wurde frühzeitig eine Unterorganisation namens Sea Organization* geschaffen. Daneben  gibt es seit 1983 das “Büro für spezielle Angelegenheiten”, das wie ein Geheimdienst operiert und in der Befehlshierarchie ebenfalls weit oben angesiedelt ist. Wer tieferen Einblick nimmt, wird verblüffende Ähnlichkeiten mit dem “Ministerium für Staatssicherheit” der ehemaligen DDR erkennen.   

Dass die Scientology-Organisation die Weltherrschaft anstrebt, mag angesichts ihrer Größe unrealistisch und töricht klingen. Dennoch ist dieses Ziel ein offenes Geheimnis. Per ihrer eigenen Aussage strebt sie eine Welt ohne Krieg, ohne Kriminalität, ohne Geisteskrankheit und ohne Drogen an. Etwas, das jeder sofort unterschreiben würde. Die Organisation verschweigt jedoch, dass sie dazu selbst an den Schalthebeln der Macht sitzen will. Nur so ließen sich Hubbards rigide Vorstellungen einer künftigen gesellschaftlichen Ordnung durchsetzen. Dass die Organisation dabei ihre eigenen inneren Strukturen nicht verändern würde, steht für sie außer Frage.

Es mag sein, dass bei einer einheitlichen Weltregierung herkömmliche Kriege ausgemerzt wären, aber es wäre eine Welt ohne Demokratie, ohne Freiheit und ohne Individualität. Zur Unterdrückung von Aufständen, Unabhängigkeitsbestrebungen, Revolutionen usw. wäre es eine Big-Brother-Welt mit ständiger gegenseitiger Bespitzelung. Gemessen an den in der heutigen Organisation zu beobachtenden Verhältnissen wäre es darüber hinaus eine Welt der Ausbeutung ohne angemessene Zeit für eine eigene Familie oder für andere persönliche Ziele, die individuelles Glück häufig ausmachen. Menschen mit einem wachen Verstand seien daran erinnert, dass es in der Geschichte immer Tyrannen waren, die die ganze Welt beherrschen wollten. Es waren niemals sozial eingestellte Menschen.         

Wer als Mitglied der Scientology-Organisation die internen Gepflogenheiten lange genug beobachtet und ggf. am eigenen Leib verspürt hat, kommt bei genügend Abstand zu dem Ergebnis, dass es sich um eine perfekt funktionierende Diktatur mit faschistoiden Zügen handelt. Elitäres Gedankengut paart sich mit der Negation der Demokratie, der Abwertung von Individualität, (die Gruppe ist alles und das Individuum nichts), einer Ablehnung von Pluralität und persönlicher Freiheit sowie einem perfekten Bestrafungsapparat. Das RPF*, auch als Straflager bekannt, ist dafür ein gutes Beispiel. Noch schlimmer ist “das Loch”, (The Hole), über das Sie sich auf Englisch unter http://en.wikipedia.org/wiki/The_Hole_(Scientology) informieren können.

Unter den Mitgliedern herrscht ständig ein unterschwelliges Klima der Angst, das sie in vorauseilendem Gehorsam zu willfährigen Gefolgsleuten macht. Dahinter steht für jeden einzelnen die Furcht, dass er als Wesen verloren wäre, wenn die Organisation ihm nicht mehr den Weg zur vollständigen Freiheit* ermöglichte. Mit dieser Drohung, die für einen Christen vergleichbar ist mit der Wahl zwischen Himmel und Hölle, werden Mitglieder der Organisation immer wieder erpresst. Das Groteske daran ist, dass das Individuum bereit ist, in der Gegenwart alle Freiheiten aufzugeben, um sich die Option auf eine ferne, nur diffus definierte Freiheit zu sichern. Eine Freiheit, die bisher noch nie erreicht wurde und ein von Hubbard erschaffenes Hirngespinst bleiben wird, denn die zur Anwendung kommende Technik ist dazu gar nicht in der Lage. Wenn Sie den Beitrag über OT III* gelesen haben, werden Sie wissen, warum. Dennoch sind Scientologen wie besessen von diesem Ziel. Manche sitzen so tief in dieser Falle, dass sie aus eigener Kraft keine Chance haben, aus ihr wieder herauszukommen.        

Dass Derartiges auf dem Boden eines demokratischen Rechtsstaats möglich ist, dass freie Bürger dieses Landes sich ohne Not solchen Mechanismen unterwerfen, dass sie ihr Vermögen hingeben und/oder sich hoch verschulden, sich wie im Einzelfall verlangt von ihren Familien und Freunden trennen, dass sie ihre Kinder nicht mehr altersgerecht aufwachsen, sondern sie frühzeitig indoktrinieren lassen, dass ihre Gedanken von morgens bis abends nur noch um das Thema Scientology kreisen, lässt die große Mehrheit unserer Gesellschaft fassungslos danebenstehen. Viele sehen die einzige Erklärung eines solchen Phänomens darin, dass hier psychomanipulative Vorgänge enormen Ausmaßes am Werk sind. Manche bezeichnen das salopp auch als Gehirnwäsche.

In welchem Maße “Gehirnwäsche” stattfindet, kann man zum Beispiel daran erkennen, dass die Mitglieder ihre Organisation als die “ethischste* Gruppe auf diesem Planeten” ansehen. Ihnen wird gesagt, dass diese nur deshalb nicht wunschgemäß expandieren kann, weil eine Welt von Unterdrückern* das mit allen Mitteln verhindern will. Jeder einzelne Scientologe ist zutiefst davon überzeugt, dass seine Organisation nur deshalb von bösen Zeitgenossen attackiert wird, weil sie Gutes tut. Dass sich unter den Kritikern auch viele sozial eingestellte Menschen befinden, wird einfach ausgeblendet oder in Abrede gestellt. Das alles erklärende und gebetsmühlenartig jedem Mitglied immer wieder eingeimpfte Konzept lautet: “Unterdrücker fürchten freie und fähige Menschen. Da Scientology freie und fähige Menschen hervorbringt, hassen Unterdrücker Scientology. Wenn man also jemanden feststellt, der Scientology hasst, dann ist es ein Unterdrücker.”

Die “Unterdrücker”, die auch als antisoziale Persönlichkeiten bezeichnet werden und die Hubbard mit 2.5% der Bevölkerung bezifferte, werden von den Mitgliedern der Organisation als menschlicher Abschaum betrachtet, der zum Wohle aller anderen in einer gemeinsamen Anstrengung unschädlich gemacht werden muss. In diesem Zusammenhang wird Hass geschürt gegen Politiker und andere Personen des öffentlichen Lebens, die als Gegner von Scientology ausgemacht wurden und sich bisher nicht einschüchtern ließen.

Dass die Organisation sich ständig einer Welt von Feinden gegenüber sieht, (gemäß Hubbard alleine in Deutschland ca. 2 Millionen “Unterdrücker”), und sich dadurch in einer dauerhaften Wirkungsposition befindet, ist den eigenen Mitgliedern nur schwer zu vermitteln. Es steht im groben Widerspruch zu den Prinzipien ihrer eigenen Philosophie. Eine wesentliche philosophische Grundaussage Hubbards lautet nämlich, dass eine Person nur dann zur Wirkung bzw. zum Opfer schädlicher Einflüsse werden kann, wenn sie selbst in ihrem Innersten damit übereinstimmt. Eine solche Übereinstimmung, die man auch als Empfängnisbereitschaft bezeichnen könnte, wird nach Hubbard ausschließlich durch eigene Verfehlungen erzeugt oder begünstigt. Diese Auffassung erscheint durchaus schlüssig und deckt sich mit Beobachtungen des täglichen Lebens. Wenn ein Politiker sich zum Beispiel etwas zuschulden kommen lässt, sieht er sich augenblicklich einer breiten Front von Angriffen gegenüber. Wer sich dagegen durch charakterliche Integrität auszeichnet, ist für andere unangreifbar. Unter Anwendung ihrer eigenen Philosophie drängt sich daher die Schlussfolgerung auf, dass die Organisation nicht das unschuldige Opfer ist, als das sie sich gerne präsentiert, sondern permanent gesetzliche, ethische und/oder moralische Normen verletzt, denn die Angriffe gegen sie nehmen kein Ende.   

Gemessen an dem, was in den Medien immer wieder berichtet wird, scheint dies auch tatsächlich so zu sein. Der Organisation wird regelmäßig vorgeworfen, dass sie

1.   Menschen in ihre Abhängigkeit bringt und sie dann finanziell ausplündert,
2.   ihre Mitarbeiter ausbeutet, indem sie deren Arbeitsleistung nicht oder nicht angemessen bezahlt,
3.   Familienbeziehungen zerstört, wenn Personen aus diesem Kreis ihr nicht wohlgesonnen sind,
4.   unsere freiheitlich demokratische Grundordnung nicht achtet, sondern die Weltherrschaft anstrebt,
5.   vorsätzlich gegen den Artikel 10 des Grundgesetzes sowie gegen Strafgesetze verstößt,
       indem sie an Mitarbeiter gerichtete persönliche Briefe öffnet, liest und willkürlich unterschlägt,
       wenn ihr deren Inhalt nicht gefällt, (wobei sie den Adressaten davon nicht unterrichtet),
6.   innerorganisatorisch wie eine Diktatur aufgebaut ist und auch wie eine solche agiert, indem sie eine
       demokratische Kontrolle ihrer Führer nicht zulässt und jegliche Kritik mit Repressalien beantwortet,
7.   einen Geheimdienst unterhält, der Kritiker versteckt feindselig mit dubiosen Methoden bekämpft,
8.   so genannte Straflager eingerichtet hat, in denen Mitarbeiter drangsaliert und gedemütigt werden,
9.   Mitarbeiter und Öffentlichkeit mit geschönten oder gefälschten Erfolgsstatistiken belügt,
10. nicht das liefert, was sie verspricht.    

Punkt 10 ist vermutlich der schwerwiegendste Sachverhalt. Die als Gegenleistung für astronomisch hohe Geldbeträge (im  sechs- bis siebenstelligen Bereich) versprochene vollständige Freiheit* ist mit der zur Anwendung kommenden Technik nicht zu erreichen und erweist sich daher bei sorgfältigem Hinschauen als Illusion. Hubbard konnte diese “Freiheit” nicht einmal für sich selbst realisieren, sondern er starb unter erbärmlichen Umständen. Unterstellt, dass die Verantwortlichen ihre Versprechungen betreffend die zu erzielenden Ergebnisse wissentlich und willentlich falsch abgeben, um sich (oder einem Dritten) dadurch einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, wäre das ein Fall für den Staatsanwalt. 

Ein weiterer Vorwurf lautet, dass die Organisation psychomanipulative Methoden einsetzt, um neue Anhänger zu rekrutieren. Auf dem Cover ihres überall angebotenen “Dianetik”-Buches ist ein aktiver Vulkan zu sehen. Dieser löst nach der Auffassung von Eingeweihten im Unterbewusstsein des Betrachters eine panische und zugleich hilfesuchende Reaktion aus. Das Bild dieses Vulkans soll ein uraltes Geschehnis
restimulieren*, das nach der Lehre Hubbards vor 75 Millionen Jahren stattfand und die Menschheit wie kein anderes als gemeinsames verheerendes Trauma* bis in die Gegenwart verfolgt. Es handelt sich dabei um den Stoff, der auf OT III* dargeboten und angeblich aus auditingtechnischen Gründen vorher strikt geheim gehalten wird. Dieser sich auf eine subjektive Überzeugung stützende Manipulationsversuch wird als hinterhältig und gewissenlos empfunden.  

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Wenn man Mitglieder der Organisation im persönlichen Gespräch mit der langen Liste massiver Vorwürfe konfrontiert, perlt das an ihnen ab wie Wasser an einer Ölhaut. Ein “wissendes” Lächeln signalisiert, dass eine Beschäftigung damit nicht lohnt, weil es sich ohnehin nur um Lügen oder Fehleinschätzungen von Gegnern handelt. Selbst wenn im Einzelfall eine Rechtsverletzung unbestreitbar stattgefunden hat, ist sie aus der Sicht des linientreuen Scientologen gerechtfertigt, denn sein Wertesystem unterscheidet sich von dem der restlichen Gesellschaft. Danach ist zweifellos alles das ethisch, was der Organisation nützt, denn sie will erklärtermaßen die Menschheit retten. Das, was ihr schadet, ist nach dieser Logik unethisch.

Ein geschickt ausgedachtes Konzept, denn die Ethik positiv für sich in Anspruch zu nehmen, bedeutet, im Recht zu sein. Auf diese Weise werden, (wie in allen Diktaturen üblich), die eigenen Handlungen vollständig gerechtfertigt, die der Gegner jedoch unwiderlegbar ins Unrecht gesetzt. Die auf deutschem Boden in der Vergangenheit installierten Unrechtsregimes kümmerten sich nach ihrer eigenen Aussage auch immer nur um das Wohl der Menschen. Die SED hatte “immer recht”, weil sie, so ihre Behauptung, in der Tradition Lenins die Menschheit verteidigte. Für die NSDAP war das Rechthaben gleichermaßen eine Selbstverständlichkeit, denn an ihrem Wesen sollte bekanntlich die ganze Welt genesen. Wer das in Frage stellte, wurde als Feind des Systems mundtot gemacht, eingesperrt, eliminiert usw., denn Diktaturen jeder Couleur dulden keine Kritik. Scientology bildet da keine Ausnahme. Wer innerhalb ihrer Reihen Kritik an der Organisationsführung übt oder damit gar an die Öffentlichkeit tritt, muss mit ernsten Repressalien rechnen. Im günstigsten Fall wird er am Ende eines demütigenden Verfahrens lediglich als persona non grata aus der Gruppe entfernt. Von Betroffenen sind jedoch auch ganz andere Szenarien bekannt.

Unser Staat, dessen Aufgabe unter anderem die Gefahrenabwehr ist, verharrt in Unschlüssigkeit. Zwar wird die Organisation seit 1997 durch die Verfassungsschutzbehörden beobachtet, jedoch hat sich in all diesen Jahren faktisch nichts geändert. Die Schwierigkeit besteht offenbar darin, ausreichend Beweise zu sammeln, die dem jeweiligen Innenminister eine Handhabe gäben, ein Verbot nach §3 Vereinsgesetz auszusprechen. Und zwar eines, das auch einer gerichtlichen Nachprüfung standhalten würde. Es müsste der Nachweis geführt werden, dass die Zwecke oder Tätigkeiten der Organisation den Strafgesetzen zuwiderlaufen oder dass sie sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung richten.

Man kann als sicher voraussetzen, dass die Organisation den Klageweg über die Verwaltungsgerichte und das Bundesverfassungsgericht bis hin zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte vollständig ausschöpfen würde, um sich gegen ein Verbot zur Wehr zu setzen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hätte es keinen Bestand.     

Da die deutschen Behörden das vermutlich ebenso einschätzen, ist Rat- und Tatenlosigkeit angesagt.

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