Reinkarnation  (Re-in-karnation) wörtlich übersetzt: Wiederfleischwerdung

Der Vorgang, nach dem Körpertod in einem neuen Körper mit neuer Identität wiedergeboren zu werden. Dies beinhaltet zugleich die Vorstellung, dass der Mensch als geistiges Wesen (
Seele*) unsterblich ist und einen fleischlichen Körper zyklisch immer nur so lange “bewohnt”, bis dieser aufgrund biologischer Mechanismen stirbt.

Die Reinkarnation, die für den Buddhisten oder Hindu eine Selbstverständlichkeit darstellt, war mehr als 500 Jahre lang auch fester Bestandteil der christlichen Glaubenslehre. Nicht verwunderlich, denn es ist überliefert, dass Jesus von Nazareth die Wiedergeburt lehrte. Dieser hatte sich bis zu seinem 30. Lebensjahr in Indien aufgehalten und war dort von buddhistischen Lehrern unterrichtet worden. Vieles von dem, was er später selbst verkündete, hat seinen Ursprung im Buddhismus. 

Im Jahr  553 wurde die Wiedergeburt plötzlich verworfen. Auf dem zu diesem Zeitpunkt in Konstantinopel stattfindenden 5. ökumenischen Konzil wurde auf Weisung des römischen Kaisers Justinian I.*das Märchen von den ewigen Seelen” verboten. Es war ab diesem Zeitpunkt verbindlich, dass jeder Mensch bei seiner Geburt mit einer neuen Seele ausgestattet wird und nur ein einziges irdisches Leben besitzt. Die Seele war nun dazu bestimmt, nach dem Körpertod im Jenseits ewig weiterzuleben.

Sofern man sich in unserer abendländischen Gesellschaft überhaupt mit der “Seele” beschäftigt, ist sie etwas, das man “besitzt”. Man ist inzwischen mehrheitlich der Auffassung, dass die Persönlichkeit eines Menschen durch seinen Körper und dessen Gehirn repräsentiert wird. Die als Folge der Justinianschen Entscheidung eingetretene tiefe Verwirrung setzt sich so bis in die Gegenwart fort. Denn wenn die Seele ein Besitztum ist, wer ist dann der “Besitzer”? Weil das ohne jeden Sinn ist, verwenden manche zusätzlich den Begriff “Geist”, ohne diesen mit “Seele” gleichzusetzen. Das beseitigt allerdings die Verwirrung nicht, sondern vergrößert sie.
So halten viele Christen es für am besten, daran nicht zu rühren, sondern es bei dieser oberflächlichen Betrachtung zu belassen. Das nach dem Tode angebliche Weiterleben im Jenseits und die sich daraus ergebenden Widersprüche und Unklarheiten werden nicht weiter diskutiert, denn es stellt sich zum Beispiel die berechtigte Frage, was nach diesem Konzept mit der Seele geschieht, solange sie noch nicht in das Paradies oder in die Hölle geschickt wurde. Wo hat sie unter welchen Bedingungen abertausende oder Millionen von Jahren auf das “Jüngste Gericht” zu warten? Auch Theologen geben darauf nur ausweichende Antworten, denn sie wissen es nicht. Wie sollten sie auch, denn das gedankliche Konstrukt der christlichen Gegenwartskirche zu diesem Thema ist absurd.  

Der spirituelle Mensch, der sich als geistiges Wesen begreift, “hat” keine Seele, denn die Seele ist er selbst. Sie, als das wahre Ich, ist die zentrale Instanz, die sich ihres eigenen Bewusstseins bewusst ist. Der Körper (einschließlich des Gehirns) ist nur eine zeitweise bewohnte “Kohlenstoff-Sauerstoff-Maschine”, die zwar für sich alleine auch funktionsfähig ist, jedoch ohne Seele ihre wesentlichen menschlichen Eigenschaften verliert. Dort, wo die Seele sich auf und davon macht, (meist als Folge einschneidender Ereignisse), fällt der Körper in einen Zustand, den die Medizin “Koma” nennt und den sie weder schlüssig erklären noch beeinflussen kann, denn in aller Regel ist das Gehirn als Organ weiterhin intakt. Besonders das Wachkoma vermittelt auf dramatische Weise, welche Folgen es hat, wenn eine Kontrolle durch den Geist nicht mehr stattfindet. Dadurch dass niemand mehr “zuhause” ist, wird der Körper zum Zombie. Gelegentlich kehrt bei solchen Personen nach Tagen, Wochen oder Monaten das Bewusstsein plötzlich wieder. Im Kontext einer spirituellen Betrachtung darf man davon ausgehen, dass in diesen Fällen die Seele aus eigenem Antrieb in den Körper zurückgekehrt ist.  

Mit der Erschaffung neuer Seelen, wie sie von Justinian verordnet wurde, können spirituelle Menschen nicht denken und betrachten es daher als abzulehnende Lüge. Mit Recht, denn wenn die christliche Lehre “Seele” als etwas Immaterielles versteht und ihr mit dem Begriff “ewiges Leben” Unsterblichkeit bescheinigt, ist es wenig schlüssig, ihre Entstehung von dem Heranwachsen eines fleischlichen Fötus abhängig zu machen. Das Physikalische Universum besteht per Definition aus Materie, Energie, Raum und Zeit.  Das Adjektiv “ewig” bedeutet zeitlos und macht so deutlich, dass “ewiges Leben” nicht Teil dieses Universums sein kann, sondern ein geistiges Phänomen ist. Etwas Zeitloses kennt naturgemäß weder Vergangenheit noch Zukunft und hat damit weder einen Beginn noch eine Ende. Indem Justinian das kurzerhand über den Haufen warf, bemächtigte er sich als weltlicher Herrscher anmaßend eines Themas, von dem er nichts verstand und für das er insbesondere nicht zuständig war.

Historisch ist es kaum nachzuvollziehen, warum die Kirche sich später nicht wieder von Justinians Vorgaben distanzierte. Statt dessen lehrt sie diese Willkürlichkeiten bis heute. Ihr stetiger Mitgliederschwund findet hier eine wesentliche Erklärung, denn die Menschen fühlen sich angesichts dieser Unwahrheiten nicht verstanden und schon gar nicht vertreten. Fragen nach der Sinnhaftigkeit des Lebens, der wahren eigenen Identität sowie dem Woher und Wohin betreffen den absoluten Kernbereich einer Religion. Wenn sie bezüglich dieser Dinge wirre Sachverhalte lehrt und verlangt, man müsse sie “glauben”, hat sie es möglicherweise nicht besser verdient, wenn Menschen ihr nicht länger angehören wollen. Der Glaube ist nur ein hilfloses Konstrukt, denn er verlangt, etwas als wahr zu akzeptieren, das man mit gesundem Menschenverstand nicht nachvollziehen kann und bei dem es deshalb an Gewissheit mangelt. Zugleich eine Zumutung für jedes intelligente Wesen, denn ihm wird signalisiert, dass es die grundlegenden Wahrheiten des Lebens mit seinem beschränkten Horizont nicht zu verstehen in der Lage ist und deshalb als Ersatz für seine fehlende Gewissheit mit den von Menschen formulierten Theorien übereinstimmen soll.

Dagegen sind die Wahrheiten ausnahmslos einfach, wenn man den Blick auf die Reinkarnation richtet  Wer mittels dafür geeigneter Techniken, (z.B. den so genannten Rückführungen), mit seiner Aufmerksamkeit bereits in “frühere Leben” geschickt wurde und sich dort seine Erlebnisse, seine Beziehungen zu anderen, seine Besitztümer, seine schmerzlichen Verluste usw. angeschaut hat, gewinnt plötzlich Gewissheit darüber, ein unsterbliches geistiges Wesen zu sein, das bezüglich dieses Universums auf eine lange Vergangenheit zurückblickt. Das ihm vorher suggerierte Datum über ein einziges irdisches Leben wird als Unwahrheit enttarnt und löst sich als falsches Datum restlos auf. Die Person hat mit einem Mal ein positiv verändertes Verhältnis zu sich selbst. Für sie eröffnen sich nun Chancen, mehr über die eigene Identität herauszufinden. Auch unter einem therapeutischen Gesichtspunkt sind frühere Leben wichtig. Sie erklären zum Beispiel, warum bei Menschen, die unter den Folgen traumatischer Erfahrungen (z.B. einer Phobie*) leiden, in der Kindheit ihres aktuellen Lebens trotz intensiver Suche vielfach nichts gefunden werden kann. Auditing* schließt deshalb frühere Leben regelmäßig mit ein. Der Grund für eine Phobie wird auf diese Weise häufig in kurzer Zeit ausfindig gemacht und beseitigt.

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