OCA-Test

Er wird auch als “Persönlichkeitstest” bezeichnet und u. a. von der Scientology-Organisation verwendet, um neue Leute für sich zu interessieren. Letztere hat jedoch keine Urheberrechte daran, denn dieser Test kann von jedermann uneingeschränkt genutzt werden. Er besteht aus 200 Fragen, auf die ein Proband nur mit “ja”, “nein” oder “unsicher” antworten kann. Dennoch wird sein Seelenleben damit so gründlich durchleuchtet, dass jegliche psychischen Defizite offen gelegt werden. Beim Probanden wird dadurch oft das Bedürfnis geweckt, daran etwas zu verbessern. Die Scientology-Organisation nutzt das geschickt, indem sie als Abhilfe ihre Dienste anbietet. Jeder andere Psychotherapeut kann den Test aber auch erfolgreich zur Diagnose einsetzen.

“OCA” steht als Abkürzung für Oxford Capacity Analysis. Mit Oxford hat der Test nichts zu tun.
Wikipedia berichtet, dass er eine Weiterentwicklung der Taylor-Johnson Temperament Analysis sei, die 1955 durch Ray Kemp und Julia Lewis erfolgte. Obwohl der Test bei Scientology verwendet wird, gilt als sicher, dass Hubbard* an seiner Gestaltung nicht beteiligt war.

Seit 1980 hat sich der Wortlaut einiger Fragen geändert. Da das von sachverständigen Personen gemacht wurde, hat es die Qualität des Tests weiter verbessert. Manche der ursprünglichen Fragen wiederholten sich inhaltlich zu oft, passten nicht mehr in die aktuelle Zeit oder waren vom Probanden zu leicht zu durchschauen. Wenn die Testperson wiederholt danach befragt wird, ob sie sich häufig deprimiert fühlt oder ob bei ihr aus unerfindlichen Gründen gelegentlich die Muskeln zucken, ist klar, worauf das abzielt. Bei einem guten Test sind die Fragen so formuliert, dass sie möglichst nicht erkennen lassen, was damit in Erfahrung gebracht werden soll.        

Die 200 Fragen sind in 10 Gruppen zu je 20 Fragen unterteilt, jedoch so durchmischt und formuliert, dass der Proband das bei der Durchführung des Tests nicht erkennen kann. Für ihn ist in aller Regel nicht ersichtlich, welche Frage zu welcher Gruppe gehört. Die Auswertung erfolgt nach einem intelligenten Verfahren. Eine Beantwortung nach dem Zufallsprinzip wird ebenso aufgedeckt wie der Umstand, dass beim Ankreuzen bestimmter Antworten mit hoher Wahrscheinlichkeit gelogen wurde.

Die Testperson kann nicht erkennen, ob ja oder nein im Einzelfall die “bessere” Antwort ist. Dies beugt der Versuchung vor, das Testergebnis durch bewusst falsche Antworten zu manipulieren. Die Person wird im Regelfall daher wahrheitsgemäß antworten. Wenn 50 oder mehr Fragen mit unsicher angekreuzt werden, ist der Test ungültig. Die 10 Gruppen, die auch als “Charakterzüge” bezeichnet werden, lassen sich wie folgt aufschlüsseln:

A) Standards: stabil bis labil
B) Ziele: glücklich bis deprimiert
C) Selbstkontrolle: ausgeglichen  bis nervös
D) Verlässlichkeit: sicher bis unsicher
E) Tatkraft: aktiv bis inaktiv
F) Effektivität: fähig bis gehemmt
G) Ursache: verantwortlich bis unverantwortlich
H) Realität: objektiv bis kritisch
I )  Affinität: anerkennend bis distanziert
J) Kommunikation: kommunikativ bis zurückgezogen

Jede der drei Antwortmöglichkeiten erhält eine festgelegte Punktezahl, die von Frage zu Frage variieren kann. So ist beispielsweise “Sind Sie ein langsamer Esser?” nicht so bedeutsam wie “Könnten Sie Ihrem Chef bei einer Meinungsverschiedenheit deutlich widersprechen?”. Die Punkte der 20 Antworten jeder Gruppe werden separat aufsummiert und nach einem bestimmten Verfahren in eine Bandbreite von -100 bis +100 umgerechnet. In aller Regel macht das ein Computer, es gibt aber auch Tabellen, mit deren Hilfe man es manuell erledigen kann. Die so ermittelten Werte lassen sich graphisch darstellen, indem man jeden einzeln auf einer Skala von -100 bis +100 als Punkt einträgt und die 10 Punkte dann untereinander durch Geraden verbindet. Es entsteht so eine Kurve, die man auch als “Graph” bezeichnet. Nachfolgend ein Beispiel, das durch ein vom Verfasser geschriebenes Computerprogramm erstellt wurde. Die errechneten Gruppenwerte sehen Sie in Rot oberhalb der positiven Eigenschaften. 

Es ist die Kurve einer Person, die sich zum Zeitpunkt der Auswertung in keinem guten Zustand befand. Nur drei der 10 Gruppen liegen in einem Bereich oberhalb der Schraffur, (höher als +33), der als akzeptabel gilt. (Wer innerhalb der Scientology-Organisation auf die OT-Stufen* will, muss gemäß einer Hubbard-Anweisung in allen Gruppen durchgängig besser als +33 sein. Näheres im vorletzten Absatz.)

Der ideale Bereich von +70 und besser wurde oben bei keiner einzigen Gruppe erreicht. A, B und C sind deutlich unterhalb von Null und vermitteln, dass die Person psychotische Merkmale aufweist. B lässt zusätzlich erkennen, dass die Person zu Depressionen* neigt. Die Werte von G und H weisen für den Fachmann darauf hin, dass es im Bereich destruktiver Absichten* sowie begangener Verfehlungen für den Auditor einiges aufzuarbeiten gibt. 

Der Computer gibt bei Bedarf für jede der 10 Gruppen vier unterschiedliche Charakterbeschreibungen aus. Welcher erzielte Wert welche der Beschreibungen zur Folge hat, erkennt man an dem vertikalen Farbbalken von Hellblau bis Schwarz. Hellblau, (+70 und besser), ist sehr gut, Schwarz, (-40 und darunter), sehr schlecht. Da es jeweils nur vier standardisierte Beschreibungen gibt, ist nicht viel Differenzierung zu erwarten. Manche Testperson erkennt sich deshalb selbst nicht wieder und/oder fühlt sich durch die Formulierungen des Computers beleidigend abgewertet. Es ist deshalb wichtig, vor einer Übergabe der Computerbewertungen an die Testperson deutlich zu machen, dass das Ergebnis nur das widerspiegelt, was die Person über sich selbst denkt oder wie sie sich selbst sieht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dort, wo das Testergebnis in allen Gruppen extrem schlecht ausgefallen ist, sollte man auf die verbalen Computereinschätzungen ganz verzichten und der Person nur den “Graph” zeigen sowie ggf. erwünschte Auskünfte dazu erteilen. Sie sollte jedoch wissen, dass jemand, der sämtliche Fragen im Sinne optimalen Überlebens beantwortet, tatsächlich eine Kurve erhält, die sich in allen Punkten auf +100 befindet.   

Neben den vierzig Standardbewertungen, gibt es weitere Charakterbeschreibungen, die dann im Einzelfall ausgegeben werden, wenn der Wert einer Gruppe ungewöhnlich aus dem Rahmen fällt oder nicht zu dem Gesamtbild passt. Es macht beispielsweise keinen Sinn, dass eine Person überaus glücklich und zugleich verantwortungslos ist. Die Person erhält dann eine abweichende verbale Bewertung für den Charakterzug B. Die meisten solcher zusätzlich ausgegebenen Daten sind jedoch nicht für die Testperson bestimmt, sondern es handelt sich dabei um Hinweise für den Testauswerter sowie den
Fallüberwacher* und/oder den Auditor. Zum Beispiel, dass jemand schwer in vergangenen Verlusten feststeckt, dass er ein schlechter Arbeiter ist, sich minderwertig fühlt, unter einem Märtyrerkomplex leidet, zu Wutausbrüchen neigt, leicht reizbar ist, manisch depressiv oder auf Zerstörung aus ist, dass die Person lügt, sich durch irrsinnige Heiterkeit auszeichnet usw.  

 
Der OCA-Test genoss bei Hubbard hohes Ansehen und ist in seiner Organisation auch heute noch Standard. Nicht nur bei der Anwerbung neuer Leute, sondern auch bei der Beurteilung von Fallfortschritten während des Auditings. In diesem Sinne wird er auch außerhalb der Organisation von “freien Auditoren” genutzt. Die Kurve gibt dem Fachmann entscheidende Hinweise, wo er therapeutisch ansetzen muss, und sie zeigt nach einer gewissen Zeit bei neuerlichen Tests, wo Verbesserungen erreicht werden konnten. Hubbard veröffentlichte in seinen
XDN*-Serien 8 bis 19 zahlreiche OCA-Kurven von Personen, die mit dieser Technik auditiert worden waren. Sie zeigen, wie diese Personen sich nach und nach verbesserten.

Jeder Auditor und/oder Fallüberwacher hat mit dem OCA-Test ein Analyseinstrument an der Hand, das ihm gestattet, psychische Defizite von Personen zu erkennen und wirkungsvoll etwas dagegen zu unternehmen. Das Ziel lautet, jeden Punkt der Kurve oberhalb des schraffierten Bereichs, also höher als +33 zu bringen. Im Jahr 1972 legte Hubbard in einem technischen Bulletin fest, dass nur solche Personen eine Zulassung zu den OT-Stufen* erhalten durften, bei denen das erreicht werden konnte oder wo es von Anfang an der Fall war. Es handelt such um HCOB 3.2.72, "R6EW - OT III, die No-Interference-Zone”, Abschnitt “Test”.  

Der OCA-Test wird von gewissen Kritikern mit der Scientology-Organisation gleichgesetzt und dann häufig als unwissenschaftlich, wertlos usw. bezeichnet. Dabei handelt es sich um Polemik, die von sachfremden Erwägungen geleitet ist und objektiv nicht den Tatsachen entspricht. Ohne es offiziell zuzugeben, wird der Test in den Personalabteilungen zahlreicher Unternehmen verwendet, um Bewerber vor einer Einstellung auf ihre psychische Eignung zu überprüfen. Personen, deren OCA-Kurve sich durchgängig oberhalb des schraffierten Bereichs befindet, können, (wenn sie die fachlichen Qualifikationen mitbringen), bedenkenlos akzeptiert werden.

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