Toter Körper

in den frühen Jahren seines Umgangs mit dem E-Meter stellte
Hubbard* die Behauptung auf, dass ein toter Körper einen stets gleichbleibenden Tonarm* hätte. Damit meinte er einen menschlichen Körper, der nicht mehr von einem spirituellen Wesen “bewohnt” ist und bei dem das Phänomen geistige Masse* daher nicht länger beobachtet werden kann. Im Regelfall also ein Körper, bei dem der Herz- und Hirntod eingetreten ist. 

Er erweiterte diese Behauptung um die These, dass ein toter männlicher Körper einen Tonarm von 3.00 und ein solcher weiblichen Geschlechts einen von 2.00 hätte. In diesem Zusammenhang vertrat er wenig später die Auffassung, dass der Körper einer Person, die den Zustand Clear* erreicht hat, wegen der (angeblich) dann nicht mehr vorhandenen geistigen Einflüsse sich hinsichtlich seines Tonarms wie ein toter Körper verhielte. Deshalb, so meinte er, könnte der Zustand Clear durch die Tonarmanzeige verifiziert werden. Ein weiblicher Clear hätte dann gleichbleibend einen Tonarm von 2.00 und der männliche Clear einen von 3.00.

Wie nachdrücklich er an dieser Auffassung festhielt, dokumentiert sich heute noch nachprüfbar an der Skala des Tonarmknopfs seines E-Meters vom Typ Mark V. Position 2 ist dort mit einem “F” (female) und die Position 3 mit einem “M” (male) gekennzeichnet. Im Deutschen kann man es der Einfachheit halber auch mit “Frau” und “Mann” übersetzen. Siehe nachfolgendes Foto:

Diese Thesen haben sich als grobe Fehleinschätzungen erwiesen. Sie treffen ausnahmslos nicht zu. Hubbard hat im Laufe seines Lebens immer wieder Behauptungen aufgestellt, die einer späteren Nachprüfung nicht standhielten. Unklar ist, wie er jeweils dazu kam. Man wird es bestenfalls als persönliche Intuition bezeichnen können, denn das Ergebnis statistischer Erhebungen war es definititv nicht. Da er mit seinen verkündeten “Wahrheiten” aber häufig auch verblüffend richtig lag, wurden sie von seinen Anhängern nie in Frage gestellt. Bei dem um Hubbard betriebenen Personenkult wäre das innerhalb dieser Gruppe ohnehin niemandem in den Sinn gekommen.  

Zunächst mal ist unbestritten, dass ein toter menschlicher oder tierischer Körper sich am Ende eines längeren Zerfallsprozesses wieder in seine mineralischen Bestandteile zerlegt. Die regelmäßig bei Beerdigungen gebrauchte Formulierung, “Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub”, drückt das volkstümlich, aber unmissverständlich aus. Da sich der elektrische Widerstand in dieser Zeit kontinuierlich verändert, ist es also abwegig, darüber eine Aussage zu treffen, ohne einen Bezug zum Todeszeitpunkt herzustellen. Auch ist es wenig professionell, körperliche Merkmale wie die Größe, das Gewicht und den Ernährungszustand außer Acht zu lassen. Diese Dinge beschreiben die physikalischen Gegebenheiten und haben selbstverständlich auch Einfluss auf den elektrischen Widerstand. Die Leitfähigkeit des toten Körpers wird weiterhin beeinflusst durch seinen Wasser- und Fettgehalt, seine Temperatur sowie den Grad der Fäulnis, die sofort nach Eintritt des Todes beginnt. Auch der häufig stattfindende Madenfraß verändert die Bedingungen, denn er höhlt den Körper sukzessive aus und beseitigt dadurch Zell- und Gewebestrukturen, die dann für eine Leitung des elektrischen Stroms nicht mehr zur Verfügung stehen. Ist die Umgebung sehr trocken, kühl und frei von Insekten, kommt es gelegentlich auch zur Mumifizierung. In diesem Zustand ist der elektrische Widerstand des Leichnams wegen des Fehlens von Wassermolekülen besonders hoch.

Eine diesbezügliche Unterscheidung nach dem Geschlecht des toten Körpers ist völlig realitätsfern. Es ist nicht einmal ansatzweise nachvollziehbar, was Hubbard damals zu einer solchen Behauptung bewogen hat. Geradezu kühn war es, dass er sich dabei auf die glatten Werte 3.00 und 2.00 festlegte. Rückblickend beschädigte er damit unnötigerweise seine Glaubwürdigkeit auch hinsichtlich anderer von ihm getroffener Aussagen, die, soweit sie objektiv nicht nachprüfbar sind, für den kritischen Betrachter als unbewiesene oder gar fragwürdige Hypothesen im Raum stehen. Hubbards Anhänger irritiert das nicht. Sie gestehen ihm zu, dass er sich geirrt haben mag und nehmen auch keinen Anstoß daran, dass er solche Aussagen später nicht korrigierte.

Maßgebend für den elektrischen Widerstand eines toten Körpers sind die oben aufgezählten Einflüsse. Sie unterliegen den Gesetzmäßigkeiten der Natur und orientieren sich daher nicht an den menschengemachten Parametern eines E-Meters. Ein abgemagerter toter männlicher Korpus kann zum Beispiel einen deutlich niedrigeren Tonarm aufweisen als der Leichnam einer schwergewichtigen Frau.

Auch der Zustand Clear wirkt sich nicht in der behaupteten Weise auf den Tonarm aus. Wenn man nur auf das entsprechende Instrument zu schauen brauchte, wären DCSI oder CCRD* überflüssig. Hubbard hat diese These mit der Fortentwicklung seiner Erkenntnisse auch nicht mehr wiederholt. Spätestens bei seiner Beschäftigung mit den so genannten OT-Stufen* wurde ihm klar, dass auch ein Clear weiterhin einen Fall* hat, der bei der Anwendung geeigneter Techniken am E-Meter sichtbar wird.  

Zusammenfassung: Die rund um den “toten Körper” aufgestellten Behauptungen Hubbards sind frei erfunden und haben mit der Realität rein gar nichts zu tun. Sie haben insoweit eine vergleichbare Qualität wie viele andere Aussagen, die, ohne jemals in der Praxis überprüft worden zu sein, von Hubbard irgendwann zu Papier gebracht oder bei Vorträgen verkündet wurden und von denen er verlangte, dass sie von seinen Anhängern kritiklos als Wahrheit akzeptiert werden sollten. Diese taten das auch, denn Hubbard wurde von ihnen als messianische Lichtgestalt betrachtet. 

.