Geistige Freiheit  

Geistige Freiheit erreichen zu können, fasziniert die Menschen, obwohl sie selten definieren können, was man darunter versteht. Meist beschreiben sie es als einen Zustand, der glücklich macht. Sie formulieren das so, weil sie wissen, dass sie selbst derzeit nicht näher zu bestimmenden Einflüssen unterliegen, sich dagegen nicht wehren können und deshalb nicht glücklich sind. Fast immer haben sie kein Konzept, wie sie daran etwas ändern könnten. Ihnen ist nicht real, dass wirkliches Glück nur in ihnen selbst zu finden ist. Stattdessen meinen sie, es außerhalb erreichen zu können. Sei es durch Besitztümer, von Anderen bewundert zu werden, (zum Beispiel durch körperliche Höchstleistungen), durch häufig wechselnde Lebenspartnerschaften (Sex), durch berufliche Karriere, durch rituelle Praktiken, durch die Einnahme von Drogen usw. 

Die Scientology*-Organisation hat sich die Suche der Menschen nach dem Glücklichsein zunutze gemacht, indem sie verkündet, dem Einzelnen als Voraussetzung dafür geistige Freiheit verschaffen zu können. Sie hat das zu ihrem zentralen Thema gemacht und leitet daraus gewissermaßen ihre Daseinsberechtigung ab. Geistige Freiheit wird jedem versprochen, der sich auf die Organisation einlässt. Die Vorstellung, irgendwann diese Freiheit zu erreichen, ist das Hauptmotiv für Personen, die sich vertraglich verpflichten, in der Organisation als Mitarbeiter tätig zu sein. Dass sie dabei materielle Entbehrungen und Demütigungen in Kauf nehmen müssen, ist ihnen zunächst nicht bekannt. Ihnen wird bei Vertragsabschluss gesagt, dass sie als Mitarbeiter durch regelmäßige Ausbildung und durch Auditing (kostenlos) diese Freiheit erreichen werden. Wer die dortigen Arbeitsbedingungen nicht aushält und vorzeitig das Weite sucht, fällt augenblicklich in Ungnade. Er gilt dann als “Freeloader” (Schmarotzer) und wird aufgefordert, wegen Vertragsbruchs jegliche bereits erhaltenen Dienstleistungen nachträglich zu bezahlen. Dazu ist selten jemand in der Lage. Als Mitarbeiter hat er kaum oder gar keinen Lohn erhalten und musste in seiner Freizeit meist stundenweise herkömmlich arbeiten, um überleben zu können. Ausreichend Schlaf wurde für ihn zum Luxus.

Aber auch solche, die keine Mitarbeiter sind, suchen geistige Freiheit und nehmen die Dienste der Organisation regelmäßig in Anspruch, wofür ihnen enorme Geldbeträge abgefordert werden. Sie werden organisationsintern als “Publics” bezeichnet, sind also Personen aus der Öffentlichkeit. Diese unterwerfen sich strikten Regeln, die zum Beispiel die Trennung von Personen beinhalten, die Scientology kritisch gegenüber stehen. Das kann sogar der eigene Ehepartner sein. Wer sich solchen Forderungen nicht unterwirft, wird zum Ethikfall und bei dauerhafter Weigerung aus der Organisation hinausgeworfen.

Kurios ist, dass beide Personengruppen gegenwärtig eine Beschneidung ihrer Freiheiten hinnehmen, um in einer unbestimmten Zukunft mehr Freiheit zu erreichen. Obwohl sie eigentlich nicht wissen, was es genau ist, betrachten es als etwas sehr Erstrebenswertes, geben diesem Ziel absolute Priorität und sind (als Publics) häufig bereit, sich dafür notfalls hoch zu verschulden.

Jedem Scientologen wird immer wieder eingehämmert, dass geistige Freiheit nirgendwo sonst zu erreichen ist. Zeigt sich jemand aufmüpfig, wird ihm damit gedroht, dass er damit seine geistige Freiheit aufs Spiel setzt. Ihm wird suggeriert, dass er ohne diese Freiheit auf ewig verloren sei. Da Scientologen die Reinkarnation* als Tatsache ansehen, ist  “ewig” für sie zeitlos. Fast alle nehmen das sehr ernst. Manche überkommt sogar Panik bei der Vorstellung, dauerhaft von dieser Freiheit ausgeschlossen zu sein. Deshalb fühlen sich solche Personen psychisch an die Organisation gefesselt und kommen nur noch selten wieder von ihr los.

Definition:
Geistige Freiheit bedeutet das Nichtvorhandensein von
Fremdbestimmung*. Der Mensch ist in vielerlei Hinsicht fremdbestimmt. Auch dann, wenn er sich als Einsiedler völlig von Anderen absondert. Diejenigen, die sich dessen bewusst sind, können vielfach nicht erklären, was die Ursache ihrer Fremdbestimmung ist. Diese wird zum Beispiel sichtbar, wenn sie in einen Erregungszustand geraten und dann Dinge sagen oder tun, die sie in Schwierigkeiten bringen und für die sie sich später schämen. Jeder Konflikt mit Anderen oder mit sich selbst ist fremdbestimmter Natur. Wer unter einer Depression* leidet, ist massiv fremdbestimmt. Ganz deutlich erkennbar ist der Mechanismus beim Kriminellen. Obwohl er als Individuum von Natur aus gut ist, veranlasst ihn die Fremdbestimmung, bösartig zu handeln und dabei Anderen zu schaden.    
 
Verursacht wird Fremdbestimmung durch die überlebensfeindlichen
Postulate* eines Menschen. Es ist also ein “endogenes” Phänomen. Dabei handelt es sich um im Unterbewusstsein verankerte Entscheidungen, die sich auf das gesamte Leben auswirken. Dass diese Entscheidungen vom Individuum meist selbst getroffen wurden, ist kein Widerspruch. Entscheidend ist, dass es jetzt keine Kontrolle mehr darüber hat. Postulate bestimmen nicht nur das Denken und Handeln, sondern unmittelbar auch die Emotionen. Der emotionale Zustand einer Person ist ein zuverlässiger Indikator für das Maß an Fremdbestimmung, der sie unterliegt. Der Beitrag Tonskala* beschreibt den Zusammenhang zwischen Emotion und geistiger Gesundheit. Ob ein Gegenüber herzlich, hilfsbereit, ehrlich, liebenswert usw. ist - oder ob der Betreffende sich durch Streitsucht, Feindseligkeit, Hass, Unehrlichkeit, bösartiges Handeln usw. auszeichnet, dokumentiert sich stets in seiner aktuellen Emotionsstufe. Wer gelernt hat, die chronische Tonstufe seines Gegenübers zu erkennen, weiß zuverlässig, was er von diesem zu erwarten hat.

Erstrebenswert ist eine sehr hohe und stabile Position auf der Tonskala. Sie bedeutet ein Optimum an Freiheit und ist damit die Voraussetzung für echtes “Glücklichsein”. Dies wird erreicht durch eine Entfernung der überlebensfeindlichen Postulate. Wer nicht glücklich ist, ist nicht fähig, die Tonskala hinaufzugehen.

Ist jemand häufig oder chronisch krank, hat er wiederholt Unfälle, immer wieder “Pech im Leben”, ist er depressiv oder hat er Suizidgedanken, geht es ihm grundlegend schlecht. Wer stets “mies drauf” ist, wird von Anderen gemieden, denn sie spüren instinktiv, dass geistig etwas nicht mit ihm stimmt. Und dem Betroffenen ist es vielfach selbst sehr real, denn er spürt, dass er nicht glücklich ist. Er sieht seine Umwelt negativ und hat dadurch keinen optimistischen Lebensausblick. Ihm ist bewusst, dass er aus eigener Kraft daran nichts ändern kann. Sofern er noch nicht vollständig resigniert hat, hält er jedoch sachkundige Hilfe für möglich. 

Das Dilemma besteht jedoch darin, dass sachkundige Hilfe in unserer Gesellschaft praktisch nicht verfügbar ist. Herkömmliche Psychotherapie scheitert fast immer, weil sie nach Geschehnissen im Leben des Patienten sucht, die sie als ursächlich für den gegenwärtigen Zustand ansieht. Die Suche beschränkt sich in aller Regel auf die Zeit der Jugend und Kindheit. Manche glauben auch, durch die Deutung von Träumen an die Wurzel des Übels zu gelangen, wobei vielfach Symboliken als bedeutsam angesehen werden. Hubbard* bezeichnete Psychologen generell als Betrüger, weil sie seiner Meinung nach genau wüssten, dass sie nicht helfen können. Die von Ärzten praktizierte Psychoanalyse* hat einen ähnlich zweifelhaften Ruf. Beide suchen die Ursachen als im Gehirn gespeicherte Informationen. Den meisten ist es nicht real, dass sie es mit einem geistigen Wesen zu tun haben, dem Ereignisse und Entscheidungen zu schaffen machen, die in großer Zahl (sehr) viel früher als in diesem Leben zu finden sind. Sie hätten in einem einzigen Leben gar keinen Platz. Es ist also niemals das einschneidende Ereignis, das nur entdeckt werden müsste, um die behandelte Person wieder in ein psychisches Gleichgewicht zu bringen. Der abzutragende Berg an “Unrat” ist immer hoch. Ein Psychologe ist damit hoffnungslos überfordert. Ihm fehlen funktionierende Werkzeuge für das Finden und Beseitigen des “Unrats”. Man könnte sagen, dass dann, wenn der gesamte “Unrat” beseitigt ist, auch das Unterbewusstsein aufgehört hat zu existieren.       

Mit dem, was die Scientology-Organisation als Hilfe anbietet, bleibt das Erreichen von Glücklichsein dem Zufall überlassen. Zwar hatte Hubbard erkannt, dass Postulate die Ursache psychischer Probleme sind, aber er stand dem systematischen Finden und Beseitigen von Postulaten aller Art weitgehend ratlos gegenüber. Er war in seinen aktiven Zeiten (bis 1978) nicht imstande, zufriedenstellende Techniken insbesondere dafür zu entwickeln, überlebenfeindliche Postulate zu beseitigem. Stattdessen enthält seine Brücke* viel verzichtbaren Ballast. Der professionelle Auditor, der sich heute damit beschäftigt, hat durch seine Erfahrung und das erreichte Verständnis für den Gesamtzusammenhang den damaligen Wissensstand Hubbards überholt. Er kennt die Mechanismen des Unterbewusstseins und beherrscht die notwendigen “technischen” Abhilfen. Solche Auditoren gibt es, aber sie sind rar. Lesen Sie dazu auch den Beitrag Technikmängel*, Nr.1, Abschnitt h.

.