Standard-Dianetik

Die Standard-Dianetik wurde 1969 eingeführt und war eine Weiterentwicklung der Dianetik* aus 1950. Hubbard hatte erkannt, dass Letztere zahlreiche Mängel aufwies. Drei der wichtigsten werden nachfolgend beschrieben.

1. Bei Dianetik greift der Auditor Dinge auf, die die auditierte Person für wichtig hält. Er lässt sie mehr oder weniger ungesteuert darüber erzählen, ohne sicher beurteilen zu können, ob die Person über Bewusstes oder Unbewusstes spricht. Auch kann er nicht zuverlässig erkennen, wann die “Bearbeitung” eines Engramms* erfolgreich war und beendet werden kann. Im Jahr 1950 gab es nicht die Möglichkeit, mit einem E-Meter Ladung* zu identifizieren oder anhand des Tonarms* festzustellen, ob nach einem früheren ähnlichen Geschehnis Ausschau gehalten werden musste. Das E-Meter wurde erst ab 1958 dauerhaft in Sitzung verwendet.    

2. Im Dianetik-Buch schrieb Hubbard, dass man nicht an Dingen interessiert sei, die die Person Anderen angetan hätte, sondern nur daran, was der Person von Anderen angetan worden sei. Eine extrem falsche Einschätzung, die für sich alleine betrachtet Grund genug gewesen wäre, dieses Buch sofort einzustampfen, nachdem die Mechanismen der Flüsse* etabliert worden waren. Jemanden stets nur auf Fluss 1 zu auditieren, führt bald wieder zu einer Verschlechterung des Falls*. Trotzdem wird das Buch bis zur Gegenwart als Einstiegslektüre auf Straßen und Plätzen an die Leute verteilt. Damit sollen die Leser in die Organisation gelockt werden, denn sie finden sich darin bestätigt, dass ihre seelischen Probleme ausschließlich damit zu tun haben, was ihnen alles angetan wurde. Das setzt sie ins Recht und macht Hubbard “sympathisch”.

3. Clear*. Hubbard beschreibt diesen Zustand 1950 als etwas, das nicht annähernd der Realität entspricht. Nämlich eine Ansammlung von Eigenschaften, die ein Mensch bis heute noch nie erreicht hat. Der Clear wird beschrieben als eine Person ohne jegliche Aberrationen*, mit einem überragenden IQ* und einem grenzenlosen, absolut fehlerfreien Gedächtnis. Jemand, der nie Fehler macht, nie Unfälle erleidet und niemals krank wird. Also ein fast schon gottähnlicher Übermensch. Hubbard hat die Aufzählung dieser Eigenschaften niemals korrigiert, sondern auch später mehrfach betont, nichts davon sei zurückzunehmen. Und das, obwohl ihm bei der Beschäftigung mit den OT-Stufen* klar wurde, dass auch ein Clear weiterhin einen Fall hat, der sich insbesondere in überlebensfeindlichen Postulaten manifestiert.     

Bei “Standard-Dianetik” wurden nun mittels AESPs* passende Formulierungen für Kümmernisse der Person gefunden, die man auditieren konnte, und strikte Regeln für den Ablauf der Sitzung eingeführt. Man auditierte jetzt auf 4 Flüssen. Was nicht gemacht wurde, war das Etablieren des Postulats*, das die Aberration des Engramms bis zu diesem Zeitpunkt aufrechterhielt. Das geschah erst 1978 durch die Einführung von NED*. (Siehe dort.)

Standard-Dianetik ist in der Scientology-Organisation nicht mehr Bestandteil der Auditorenausbildung und wird dort auch nicht mehr angewendet. Durch NED ist sie überflüssig geworden. Außerhalb der Organisation sieht man das gelegentlich anders. Der Verfasser betrachtet NED als ein machtvolles Werkzeug, das immer wieder spektakuläre Fallverbesserungen hervorbringt. Die Funktionsfähigkeit einer Technik ist das entscheidende Kriterium.

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